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Diary of Melanie, Trainee, short term assignment in India 2011 Part IV: Farbige Wasserschlacht

By Mike Wood for RocheCareers
Melanie (28) studierte Medien- und Kommunikationsmanagement in Stuttgart. Anschlieend machte sie einen Master in Diplomacy & International Relations und einen MBA in den USA. Vor anderthalb Jahren ist sie ins Management-Start-Up-Programm (Trainee) von Roche eingestiegen und arbeitete auch in Mumbai, Indien.

Teil 4 des Tagebuchs: Farbige Wasserschlacht
Melanies Projekt in Indien ist fast vorber, sie prsentiert ihre Analyse einer Umfrage zur Mitarbeiter-Zufriedenheit und schlgt Manahmen vor. Und ist wieder einmal von der indischen Spontaneitt berrascht: Die ersten Initiativen zur Umsetzung finden quasi direkt nach ihrer Prsentation statt. Und zum Abschluss bekommt Melanie noch etwas Farbe ab allerdings nicht beim Sonnenbaden.


Meine drei Monate in Mumbai gehen zu Ende, wo ist nur die Zeit geblieben? Und wenn ich mich auch an manche Dinge wahrscheinlich nie gewhnen wrde den Lrm, den Dreck, die berbevlkerung so wird mir doch auch vieles fehlen: die Farben, die freundlichen, neugierigen Menschen, das Essen.

berzeugungsarbeit leisten bei der Abschlussprsentation
Mein Projekt in Indien ist so gut wie beendet: Ich habe eine Umfrage zur Mitarbeiter-Zufriedenheit analysiert und ein Manahmenpaket erarbeitet. Zwar werden meine Ergebnisse positiv aufgenommen, aber ich merke wieder einmal, dass meine Herangehensweise anders ist als die der hiesigen Kollegen, und mein Blickwinkel ebenfalls. Weil mir dadurch Dinge aufgefallen sind, die sonst nicht so sehr im Fokus stehen, muss ich bei den Abschlussprsentationen doch manchmal berzeugungsarbeit leisten. Ich erklre deutlich mehr Methodik und Hintergrnde der Befragung, als ich das in Deutschland tun wrde.

Aber sobald ich meine Kollegen berzeugt habe, setzen sie meine Ergebnisse in die Tat um und zwar quasi sofort. Wochenlange Vorlaufzeiten, wie man das von deutschen Organisationen so kennt, gibt es hier nicht. Ich bremse sogar vorsichtig, weil ich glaube, dass ein bisschen "deutsche" Vorbereitung eben doch durchaus die Fehler vermeiden kann, die bei Schnellschuss-Aktionen gerne auftreten. Ich werde gespannt verfolgen, was nach Projekt-Ende mit dem Stein passiert, den ich ins Rollen gebracht habe.

Amerikanische Country-Musik und Backstreet Boys statt Lady Gaga
Je besser ich die Menschen hier kennenlerne, desto mehr Unterschiede fallen mir auf. Beispielsweise der Humor: Er ist sehr direkt und kann fast schon naiv anmuten. In Kombination mit der Tatsache, dass unverheiratete Paare hier Seltenheitswert haben, fhrt dieser Humor zu interessanten Situationen. Zum Beispiel zieht ein Chef seinen Angestellten auf mit den Worten "Raj hat eine Freeeeuuuundin, Freeeeuuuundin, Freeeeeuuundin!", weil dieser abends noch eine Verabredung hat und nicht sofort versichert hat, dass es sich um einen mnnlichen Bekannten handelt.



Der westliche Einfluss ist besonders in den Stdten deutlich sprbar, zum Beispiel mgen die Inder neben den landeseigenen Produktionen auch westliche Musik und Filme. Besonders beliebt ist das, was ich als Heile-Welt-Komdien und Romantikschnulzen bezeichnen wrde. Neues braucht sehr lange, bis es angenommen wird, whrend Klassiker sehr beliebt sind oder zumindest Produktionen, die mindestens zehn Jahre alt sind. Im Fernsehen luft immer irgendwo eine amerikanische Romantik-Komdie, am liebsten mit Jennifer Aniston. Und auch "Titanic", die "Rocky"-Reihe, "Pretty Woman", "Men in Black", oder "Friends" findet man immer auf irgendeinem Kanal. Lady Gaga ist fast unbekannt, whrend amerikanische Country-Musik, aber auch Eric Clapton und die Rolling Stones als westlich und cool verstanden werden. Und ich habe schon sehr, sehr lange nicht mehr "Mambo No. 5" und die Backstreet Boys so oft gehrt.

Im Gegenzug macht es mir auch durchaus Spa, Bollywood-Filme und indische Soap Operas auf Hindi zu gucken sozusagen als Comedy. Man muss die Sprache nicht sprechen, um die Handlung zu verstehen. Denn die Schauspieler versuchen nicht nur, sich bei Schmuck und Makeup gegenzeitig zu berbieten, sondern auch in Theatralik das wirkt wie eine vllig berdrehte, quietschbunt-glitzernd-berladene Karikatur des wirklichen indischen Familienlebens.



Fest der Farben und Wasserbomben
Und noch etwas Quietschbuntes und sehr Indisches darf ich miterleben: Im Mrz findet "Holi" statt, das Fest der Farben. Man kann sich das als riesige Schlacht mit knallbuntem Farbpulver und Wasser vorstellen. Gefeiert wird berall, auch auf den Straen. Und da Inder nicht gerade kontaktscheu sind, haben sie keine Skrupel, auch Fremde miteinzubeziehen sprich: sie mit Wasserbomben und Farbe zu bewerfen. Schon Tage vorher muss man sich vor pltzlichen Wasserspritzern in Acht nehmen, und der Wachmann bei meinem Geldautomaten steht ungerhrt und ernsthaft Wache, obwohl sein Gesicht von einem leuchtend lilafarbenen Handabdruck geziert ist da hat sich wohl jemand einen Spa erlaubt.

Ich bin am Holi-Festtag bei einer Kollegin eingeladen und fahre schon im Morgengrauen hin, um vor solchen Attacken sicher zu sein. Im Innenbereich des Wohnkomplexes tummeln sich schon frh die Kinder, die sich mit wichtiger Miene mit ihren Wasserpistolen inklusive auf den Rcken geschnallter Tanks auf die groe Schlacht vorbereiten. Nach und nach kommen die Erwachsenen hinzu, manche schon mit leichten Farbspuren im Gesicht.



Man wnscht sich "Happy Holi!", nimmt eine Handvoll grn, lila, gelb, blau, rot, neonorange was gerade zur Hand ist, und verteilt es grozgig auf seinem Gegenber. Was zurckhaltend anfngt, mndet schnell in eine ausgelassene Feier. Bei drhnender Musik tanzen Erwachsene und Kinder kunterbunt verschmiert und klatschnass und haben einen Riesenspa. Ich versuche mir vorzustellen, wie so etwas denn in Deutschland aussehen wrde: Unmglich ich glaube, das geht nur bei den Indern!

Die Welt steht still: Es ist Cricket-Weltmeisterschaft
Kurz vor meiner Abreise passierte noch etwas, das ich fr komplett unmglich gehalten hatte. Knapp sechs Stunden mitten am Tag lang sind die Straen na ja, leer wre bertrieben. Aber ruhiger, als das mitten in der Nacht der Fall ist: kein Hupen, kaum Verkehr. Was los ist? Es ist Cricket-Weltmeisterschaft in Indien, das Endspiel findet in Mumbai statt, und das indische Team ist im Finale! Ein Krimi, weil es wirklich knapp wird. Allerdings ist ein Sechs-Stunden-Krimi, so lange dauert das Match nmlich wirklich, wirklich lang Aber es lohnt sich, Indien holt den Titel, das zweite Mal berhaupt, und die Stadt (und vermutlich das ganze Land) feiert bis in die frhen Morgenstunden. Glckwunsch!

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